Kommentar: Bunt ist eine Chance

Kommentar: Bunt ist eine Chance

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Von VdK-Präsidentin Verena Bentele

Die Zusammensetzung in einem idealen
Parlament könnte so aussehen: Alle Geschlechter, also männlich,
weiblich und divers, sind nach ihrem Bevölkerungsanteil vertreten.
Es sind blonde, braune, grauhaarige oder glatzköpfige Menschen zu
sehen. Rollstuhlfahrer oder Gehörlose sind ein selbstverständlicher
Teil. Und das Beste dabei: Es kümmert weder drinnen noch draußen
jemanden, wie einer aussieht oder woher die Eltern stammen, denn es
geht ja nur um Inhalte. Und über die darf es Kontroversen
geben.

Verena Bentele | © Susie Knoll

Ein buntes Gremium als Volksvertretung hieße nicht, dass alle in
Hippie-Harmonie agieren. Doch je normaler ein buntes Parlament
wäre, desto verschiedener wären die Perspektiven und desto besser
könnten Abgeordnete ihren Wählerauftrag erfüllen.

Viel zu oft kommen politische Talente nicht dorthin, wo sie
mitgestalten können. So schaffen es zum Beispiel viele begabte
Frauen nicht bis in den Bundestag, da sie im Vorfeld nicht schnell
genug die Hand heben, weil sie abends Kinder betreuen, anstatt auf
Sitzungen zu gehen. Junger Parteinachwuchs muss ordentlich kämpfen,
„sich die Hörner abstoßen“, bevor er sich in
fortgeschrittenem Alter im Parlament bewähren darf. Frauen und
Männer, die einen ausländisch klingenden Nachnamen haben, sind
immer noch Exoten in der politischen Landschaft. Menschen mit
Behinderung werden ausgebremst, weil sie nicht die passende
Unterstützung durch Assistenz oder Informationen in Leichter
Sprache bekommen.

In der Frauenbewegung wird oft das Bild der „gläsernen Decke“ zitiert, an die Frauen stoßen, wenn sie
versuchen, Positionen einzunehmen, die Macht und Einfluss
versprechen. Diese unsichtbaren Hürden betreffen auch andere.

Vielleicht erklärt sich manche Politikferne bis hin zur
Politikverdrossenheit daraus, dass sich viele nicht wiederfinden in
ihren Volksvertretern. Um die Demokratie lebendig zu erhalten, muss
allen Parteien daran gelegen sein, die Vielfalt der Gesellschaft
ins Parlament zu holen. 50 Prozent Frauenanteil wären nach 100
Jahren Frauenwahlrecht schon mal ein guter Anfang.

Verena Bentele,
VdK-Präsidentin

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